AtelierWerkstatt Torsten Trautvetter

Cups


Der gestalterische Ansatz für die Cups oder Bowls war es, nicht nur einfach weitere Gefäße zu produzieren, aus denen getrunken oder etwas gereicht werden kann; vielmehr geht es mir bei der „Cups“ – Reihe um ein Spiel mit dem Begriff des Gefäßes als solches. Eine Umhüllung, eine Form, die bewahrt, schützt und beeinander hält.

Schalen, Becher, Gefäße in der Kunstgeschichte sind meistens dem weiblichen Archetyp zugeordnet: Leben schenkend, beschützend, fruchtbar. Auch das erste Getränk nimmt jeder Mensch an der Brust der Mutter zu sich.

Vor diesem Hintergrund rückte schnell der BH – wohl eins der typischsten und auch anatomisch speziell den Frauen vorbehaltenen Kleidungsstücken – in den Fokus meiner Betrachtungen: polarisierend – von den Feministinnen als männliche Einengung der Weiblichkeit verschrien – von anderen Frauen als wichtiges, völlig selbstverständliches, nützliches und dabei äußerst persönliches (weil direkt auf der Haut getragenes) Kleidungsstück geschätzt, gibt es Cup-BHs in vielen Größen und verschieden Formen.

Auf der Suche nach Möglichkeiten der Umsetzung dieses ungewöhnlichen Ansatzes kam mir modernste Galvanotechnik zu Hilfe.

Bei der galvanischen Oberflächenbehandlung – eine elektrochemische Oberflächenvergütung – werden normalerweise dünnste Metallschichten (Mikrometer) auf elektrisch leitenden Oberflächen abgeschieden (z.B. Vergoldung, Versilberung). BH-Cups sind nun aber naturgemäß nicht elektrisch leitend. Somit erscheint der Weg, Textilien zu versilbern, zunächst als Sackgasse. Bei einem Spezialbereich der Galvanik – der Galvanoplastik – werden nicht-leitende Materialien zunächst mit dünnsten elektrisch leitfähigen Schichten versehen, ohne jedoch die äußere Form und Wirkung zu zerstören. Somit ist es möglich, z.B. Pflanzenteile, den Lieblingsturnschuh oder eben auch Cup-Schalen eines BHs zu versilbern oder zu vergolden. Diese werden dadurch so stabil und fest als wären aus Metall, sind aber viel leichter und das ursprüngliche Material befindet sich noch immer unter der Metallfläche – es wird sozusagen konserviert.

Das Verfahren nimmt jedoch bei Exponaten dieser Größe einige Zeit in Anspruch und kann nur mit entsprechender Ausstattung ausgeführt werden. Diesen Part der Realisierung des Projektes übernimmt freundlicherweise ein Unternehmen in Hamburg.

Ist die Galvanoplastik fertig, kann in den silbernen Cups Snacks gereicht oder eben bei Belieben auch getrunken werden kann …

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Thema von Anders Norén